Am vergangenen Samstag fand die Taekwondo-Europameisterschaft in Davos statt. Organisiert wurde das Turnier vom „Taekwon-Do International Switzerland“ unter Leitung des Großmeisters Renato Marni, 7. Dan.
Dieses traditionsreiche Turnier findet schon seit 1984 statt und lockte auch in diesem Jahr wieder internationale Teams in die Schweizer Alpen, um sich mit den besten Kämpferinnen und Kämpfern zu messen. Mit über 700 Starts aus 11 Ländern war das Teilnehmerfeld erneut hochkarätig besetzt. Gestartet wurde in den Disziplinen Formenlauf und Kampf.
Auch ein Team von Song’s Taekwon-Do Schule Rheine begab sich auf die Reise nach Davos. Insgesamt stellten sich acht Rheinenser der starken internationalen Konkurrenz.
Das Turnier startete traditionell mit dem Formenlauf. Hier präsentieren die Athletinnen und Athleten festgelegte Bewegungsabläufe. Der Schwarzgurt-Trägerin Oleksandra Yavorshchuk gelang direkt ein perfekter Auftakt: Mit einer technisch sauberen und kraftvollen Darbietung sicherte sie sich den ersten Platz und brachte ihr Team früh auf Erfolgskurs.
Im Anschluss begannen die Kämpfe, die auch in diesem Jahr wieder für große Spannung sorgten. Besonders im Point-Fighting präsentierten sich die Rheinenserinnen in Topform. Bei dieser Disziplin wird der Kampf nach jedem Treffer unterbrochen. Die beiden Rheinenserinnen Eve Bischof und Oleksandra Yavorshchuk setzten sich jeweils souverän durch und sicherten sich beide den ersten Platz in ihren Klassen.
Vor allem Eve Bischof sorgte dabei in der Nachwuchsklasse für Aufsehen. Die junge Kämpferin musste sich durch insgesamt vier Kämpfe kämpfen und zeigte dabei eine bemerkenswerte Entwicklung. Bei der Weltmeisterschaft in Schottland im vergangenen Jahr musste sie sich der Konkurrenz noch geschlagen geben, doch in Davos trat sie deutlich gereift auf. Im Finale ließ sie ihrer Gegnerin keine Chance und gewann eindrucksvoll mit 9:0.
Cheftrainer Leonard Evelt (4. Dan) zeigte sich entsprechend beeindruckt: „Eve hat in kürzester Zeit einen riesigen Sprung gemacht. Fünf Kämpfe auf diesem Niveau zu bestreiten und dann so dominant im Finale aufzutreten, ist alles andere als selbstverständlich.“
Eine besondere Variante des Point-Fighting ist der Teamwettkampf im sogenannten Tag-Team. Hier wird klassisch im Eins-gegen-Eins gekämpft, jedoch können sich die Kämpfer während des Kampfes abklatschen und auswechseln; jedes Team besteht aus drei Startern. Gleich zwei Konstellationen mit Rheinenser Beteiligung platzierten sich auf dem Podium. Amos Bischof erreichte gemeinsam mit zwei Kämpfern aus Nordirland den dritten Platz im Nachwuchsbereich. Ebenfalls Bronze sicherten sich Oleksandra Yavorshchuk und Veronika Kutschma, die zusammen mit einer Schweizer Athletin antraten und eine geschlossene Teamleistung zeigten.
Auch im Running-Time-Fighting überzeugten die Rheinenser. In dieser Disziplin wird – im Gegensatz zum Point-Fighting – ohne Unterbrechungen durchgekämpft, was ein besonders hohes Maß an Ausdauer und taktischem Geschick erfordert. Besonders für Aufsehen sorgte dabei das Finale von Veronika Kutschma, das nahezu alle Zuschauer gebannt verfolgten. Nach drei starken Kämpfen traf sie im Endkampf auf die amtierende Weltmeisterin aus Schottland. In einem äußerst knappen und hochklassigen Duell musste sie sich nur hauchdünn geschlagen geben und sicherte sich einen hervorragenden zweiten Platz.
Noch besser lief es für Oleksandra Yavorshchuk, die ihren ohnehin schon erfolgreichen Tag noch weiter vergoldete: Nach Bronze und Doppel-Gold war noch lange nicht Schluss für das 17-jährige Ausnahmetalent. Im Running-Time-Fighting ging sie sogar in der Erwachsenengruppe an den Start – also in der Klasse ab 18 Jahren. Dafür wurde eigens eine Ausnahmeregelung geltend gemacht. In einer stark besetzten Gruppe traf sie somit auf körperlich überlegene Gegnerinnen – allesamt älter, größer und erfahrener. Dennoch kämpfte sie sich Runde für Runde durch das Teilnehmerfeld. Im Halbfinale kam es schließlich zum Höhepunkt eines ohnehin schon intensiven Wettkampftages. Nach Ablauf der regulären Kampfzeit stand es unentschieden. In der folgenden Verlängerung mobilisierte Oleksandra Yavorshchuk ihre letzten Kräfte und landete in den letzten Sekunden die entscheidenden Treffer.
Cheftrainer Leonard Evelt fand dafür klare Worte: „Oleksandra hat heute eine absolute Spitzenleistung gezeigt. Dreimal Gold, einmal Bronze – das spricht für sich.“
Auch Schulleiter Heinz Evelt, 8. Dan, zeigte sich hochzufrieden: „Unsere Athletinnen und Athleten haben sich hervorragend präsentiert. Wir sind enorm stolz auf unser Team!“
Mit vier Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen kehrte das Team aus Rheine erfolgreich und zufrieden aus Davos zurück.